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Brudermord: Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine

Der Krieg zwischen zwei Völkern, die Geschichte, Sprache und Kultur teilen, ist zum Brudermord geworden. Der Autor betont, dass kein Kampf, der unschuldiges Blut vergießt, gerecht sein kann.

Tod … Blut … Tränen … Schmerz … Zerstörung …

Eingestürzte Gebäude, weinende Kinder, verängstigte Augen, zerfetzte Körper, Städte in Trümmern, mit Staub und Erde bedeckte Gesichter, geplünderte Läden, der Geruch von Schießpulver vermischt mit Blut und erloschene Hoffnungen … Das ist, in den einfachsten Worten, was der Krieg bringt.
Als hätte die Welt in den letzten Jahren noch nicht genug Tod gesehen, wurde die Lunte eines neuen Krieges gezündet. Die Steine wurden gelegt für eine Unterdrückung, deren Schmerz jahrelang nicht nachlassen, deren Bilder nicht aus dem Gedächtnis verschwinden und die Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertreiben wird.

Kein Kampf, der unschuldiges Blut vergießt, ist gerecht
Wie der britische Philosoph Bertrand Russell sagte: „Der Krieg bestimmt nicht, wer recht hat, sondern wer machtlos ist.“ Russland, auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht, behauptet, bei diesem Angriff „gerechte“ Gründe zu haben, die außer ihm fast kein Land akzeptiert. Die Ukraine wiederum, von deren Recht fast die ganze Welt überzeugt ist, wird in der Ohnmacht ihrer Schwäche und völligen Einsamkeit darum kämpfen, diesen Krieg mit möglichst wenig Schaden zu überstehen. Im Lauf der Geschichte wird sich der Rest der Welt der moralischen Verantwortung stellen müssen, keinen nennenswerten Kampf geführt zu haben, um diesen sehenden Auges herannahenden Krieg zu verhindern. Weltweit gibt es Hunderte von Antikriegsorganisationen und -einrichtungen.

Fast alle Länder erklären, gegen diesen Krieg zu sein. Wenn dennoch eine solche Operation begonnen wurde, war man nicht abschreckend genug. Oder schlimmer noch: Man könnte daraus schließen, dass jene, die sagen, sie seien gegen den Krieg, insgeheim die Angreifer unterstützen. Was auch immer man sagt, die Menschheit hat eine sehr große Prüfung nicht bestanden. Die Verantwortung für jedes verlorene Leben liegt nun auf den Schultern der ganzen Menschheit, allen voran der Verantwortlichen.

Für jene, die die Zerstörung und das Leid des Krieges nicht kennen, gilt er als Heldenkampf, als Mittel, neue Gebiete zu gewinnen und den Rivalen zu besiegen. Für jene aber, die sein wahres Gesicht kennen, ist er ein chaotischer Zustand, den man um jeden Preis vermeiden muss. Man kann nicht sagen, dass selbst der kleinste Krieg besser sei als der schwierigste Friedensprozess.

Klar ist, dass der Krieg, wer auch immer ihn gewinnt, nichts als Zerstörung und Leid bringen wird. Wo der Unterschied in den Machtparametern so offensichtlich ist, wird der Krieg wahrscheinlich weniger zerstörerisch und kürzer sein. Doch das mildert weder die kommende Grausamkeit, noch macht es sie legal. Dies wird weder der erste noch der letzte Krieg sein, den die Welt erlebt. Als Nation sind wir in jüngster Zeit Zeugen vieler Konflikte und Massaker geworden. Müssten wir als Menschen, die das Leid an unseren Grenzen aus erster Hand erlebt haben, unsere Stimme nicht lauter erheben? Doch in der Weltöffentlichkeit sehen wir den Namen unseres Landes unter den Ländern, die den Beginn oder die Fortsetzung des Krieges wollen, und die, die unser Land regieren, unter den Führern. Wie auch nicht! Diejenigen, die im Syrienkrieg Terrororganisationen unterstützten und das Blut Unschuldiger vergossen, gießen auch hier Öl ins Feuer, um Waffen und Ausrüstung zu verkaufen.

Die psychologische Kluft zwischen Männern in Friedens- und in Kriegszeiten

Kriege beginnen die erbarmungslosen Menschen, die Länder und Kriegsmaterial verkaufen. Doch es gibt auch die Seite derer, die kämpfen. Wie traurig, dass Menschen, die beim Verlassen des Hauses ihre Frau küssen, ihre Tochter umarmen und ihrem Hund den Kopf streicheln, im Krieg zu Ungeheuern werden! Was ist es anderes als ein großes Paradox, dass Männer, die ihren Liebsten kein Haar krümmen würden, im Krieg unbewaffnete Frauen und Kinder töten, Bomben auf sie regnen lassen und sogar Kriegsverbrechen wie Vergewaltigung und Plünderung begehen? Ist es ein gewöhnliches Verhalten, so entspannt zu sein, als bediene man eine Spielkonsole, während die Finger zum Abzug gehen und Bomben auf Häuser, Parks und Krankenhäuser fallen? Man glaube nicht, dass alle, die sich so verhalten, auch im normalen Leben seelisch kranke Menschen mit psychischen Problemen sind. Es gibt psychologische Theorien, wonach sich Männer im Krieg verändern und aggressiv werden. Es heißt, im Krieg täten sie ganz selbstverständlich viele Dinge und zeigten Reaktionen, die sie in normalen Zeiten niemals tun oder zeigen würden. Während Sie in Ihren warmen Sesseln sitzen, empfehle ich Ihnen, auch aus diesem Blickwinkel auf das zu schauen, was ukrainische Frauen und Kinder in diesem Prozess wahrscheinlich erleben werden.

So wie die von Deutschland überfallenen Russen im Zweiten Weltkrieg auf eine helfende Hand angewiesen waren, sind die Ukrainer jetzt in gleichem Maß auf Hilfe angewiesen. Dass die Opfer von gestern heute zu machtberauschten, blutdürstigen Vampiren werden, muss das unglückliche Schicksal der Menschheit sein. Die Länder, die im Gleichgewicht der Welt Machtfaktoren sind, müssen so schnell wie möglich eine Lösung finden, die Russland von diesen Angriffen abbringt. Aufgrund ihrer Stellung schulden sie das der Menschheit.

Die Schlange, die du heute nicht anrührst, beißt morgen auch dich
Leider ist die Welt voller Menschen mit der Haltung, vom Unterdrückten zu erwarten, dass er auf ihrer Seite steht, bevor sie sich an seine Seite stellen. Es ist eine finstere Denkweise, die das Unrecht, das jenen widerfährt, die ihnen nicht folgen, für angemessen hält und schweigt. Wäre die Ukraine ein NATO-Land gewesen, hätte Russland eine solche Operation nicht durchführen und hätten die anderen Staaten nicht schweigen können. Dabei hatte die Ukraine in dieser Hinsicht bereits Initiativen ergriffen und sogar Schritte unternommen. Doch weder die USA noch die anderen NATO-Länder zeigten der Ukraine über Verurteilungen und einfache finanzielle Unterstützung hinaus Treue. Wer zu einer Schlange schweigt, die ihn nicht berührt, sollte nicht vergessen, dass er morgen ihrem Gift ausgesetzt sein wird …

Die Geschichte der Menschheit besteht aus Bruderzwisten, die mit dem Kampf zwischen Abel und Kain begannen. Seitdem sind Bruderzwiste die häufigste Form des Konflikts. Auch das heutige Geschehen ist eigentlich davon nicht verschieden. Fragte man die Russen und Ukrainer, die einander wie Geschwister sind, würden beide Völker sagen, dass sie Brüder sind und der Krieg völlig unnötig ist. Wie bei den Spannungen zwischen Türken und Griechen, Amerikanern und Briten, Franzosen und Deutschen: ein Feuer des Streits, das die Völker nicht wollen, das böswillige Politiker aber zu entfachen versuchen.

Kriege sind eigentlich große Glücksspiele. Ein hässliches und grausames Spiel, das mit dem Blut der Soldaten und der Gesellschaft gespielt wird. Wie beim Glücksspiel gewinnen auch im Krieg am meisten die „Bank“: jene, die davon profitieren, ohne ihr eigenes Blut zu vergießen.

An dem Punkt, an dem wir angelangt sind, haben jene gewonnen, die Krieg und Blut wollen, die Waffen und Militärmaterial verkaufen und die sich von Angst und Gewalt nähren. Verloren haben die Menschlichkeit und das Gewissen. Der Beginn des Krieges wurde nicht verhindert. Ich hoffe, dass diese Zerstörung endet, bevor zu viel Blut vergossen wird, bevor Tausende Unschuldige ihr Leben verlieren und bevor die Gewissen noch weiter abstumpfen. Denn wie die in Litauen geborene Schriftstellerin Emma Goldman sagte: „Alle Kriege sind Kriege unter Dieben, die zu feige sind, selbst zu kämpfen, und deshalb die jungen Männer der ganzen Welt dazu bringen, für sie zu kämpfen.“

Wenn sie schon so begierig auf Krieg und Blut sind, müssen wir uns um Frieden und Ruhe bemühen. Wie İsmet İnönü sagte: „Solange die ehrlichen Menschen eines Landes nicht mindestens so mutig sind wie die unehrlichen, wird dieses Land nicht in Ordnung kommen.“

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