StartAus dem LebenDie Bäume erkennen den Mörder... und wir?

Die Bäume erkennen den Mörder… und wir?

In den 1960er-Jahren behauptete ein Polygrafenexperte, Pflanzen reagierten auf menschliche Gedanken. Ausgehend von diesem Experiment fragt der Autor nach der Fähigkeit der Gesellschaft, das Böse zu erkennen und sich daran zu erinnern.

Cleve Backster, Experte für den Polygrafen, auch „Lügendetektor“ genannt, unternahm 1966 ein Experiment, das die Wissenschaftswelt erschüttern sollte. Er beschloss, das Gerät, das die elektrischen Spannungen im menschlichen Körper als Reaktion auf Gedanken und Gefühle misst, an Pflanzen einzusetzen. Er tauchte eines der Blätter der Pflanze in die Tasse heißen Kaffees, die er gerade hielt. Als am Gerät keine deutliche Reaktion erschien, griff er zu einer aggressiveren Handlung. Er nahm sich vor, das Blatt, an dem die Elektroden befestigt waren, zu verbrennen. Sobald er sich den Gedanken an das Verbrennen ausmalte, regte sich etwas am Gerät. Als er den Raum verließ, um Streichhölzer zu holen, und zurückkam, bemerkte er plötzliche Ausschläge. Die Pflanze hatte Backsters Gedanken gelesen.

Bei seinen Forschungen entdeckte Backster, dass Pflanzen neben der Fähigkeit, Gefühle und Gedanken zu erspüren, weitere Eigenschaften haben. Er stieß auf Ergebnisse, die zeigten, dass Pflanzen selbst einen Täter, der ihnen schadete, einen Mörder, der andere Pflanzen tötete, ja einen Peiniger, der zuvor einer anderen Pflanze geschadet hatte, wiedererkennen. Er stellte fest, dass sie nicht nur Empfindungen, sondern auch Gedächtnis und Wahrnehmungsfähigkeit besitzen.

Ich möchte mit einer Erinnerung fortfahren, die ich vor Jahren von einem Kollegen hörte. Anfang der 2000er-Jahre wurden in einer kürzlich in Betrieb genommenen Kaserne, in der wichtige Schulen der Türkischen Streitkräfte untergebracht waren, Aufforstungsarbeiten durchgeführt. Bekanntlich gehören die Türkischen Streitkräfte zu den Vorreitern unseres Landes bei der Aufforstung und der Vergrößerung der Waldflächen. Wegen der Aufforstung in der Kaserne wurde sogar der Unterricht an den Schulen vernachlässigt. Rund 2 Jahre lang mussten die Schüler Wasser schleppen, Bäume pflanzen und Steine räumen. Der große Tag kam, und schließlich wurde unter Teilnahme hochrangiger Kommandeure ein Aufforstungsfest gefeiert, Tausende Setzlinge wurden feierlich gepflanzt. Gepflanzt wurden sie zwar, doch das Gelände war karg und die Region sehr regenarm. Das Interessante ist: Damit die Kommandeure, die nach dem Aufforstungsfest in Abständen zu Besuch kamen, die Bäume wachsen sahen, wurden die gepflanzten Setzlinge herausgerissen und durch etwas größere ersetzt, und das mehrmals. Es ging also nicht darum, die Trauben zu essen, sondern den Weinbergbesitzer zufriedenzustellen. Ob das Gebiet heute ein Wald ist oder noch immer ödes Land, weiß ich nicht. Wer es weiß, möge mich bitte informieren.

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Während unter ihren natürlichen Bedingungen mindestens 75 Prozent der Türkei bewaldet sein müssten, liegt der Anteil bei 27,6 Prozent. In der Türkei brachen in den letzten 15 Jahren rund 40.000 Brände aus, etwa 150.000 Hektar Wald wurden zu Asche, und mehr als die Hälfte dieser Waldbrände wurde als „Täter unbekannt“ registriert.

Feuerwehr und Zivilschutz reichen als Brandbekämpfungsmittel in Waldgebieten leider nicht aus. Die wichtigsten Mittel sind in dieser Lage Löschflugzeuge. Doch auch hier wurden in den letzten Jahren viele falsche Schritte unternommen. Der führende Türkische Luftfahrtverband wurde lahmgelegt und all seiner Mittel beraubt. Außer einigen gemieteten Flugzeugen haben wir keine ernsthaften Mittel zur Brandbekämpfung. Und deren Kapazität ist bekannt. Heute verfügen viele Länder, die militärisch hinter uns liegen, über Löschflugzeuge im zweistelligen Bereich. Während noch nicht vergessen ist, dass erst letzte Woche drei Minister mit drei verschiedenen Flugzeugen ins hochwassergeschädigte Rize flogen, gehört das Fehlen von Löschflugzeugen zu den dringendsten Problemen, die gelöst werden müssen.

In den letzten Jahren gab es besonders in unseren touristischen Regionen und küstennahen Gebieten sehr viele Waldbrände. Danach wurden dort Hotels und Villen gebaut. Weil Brände nicht rechtzeitig und mit der nötigen Ausrüstung bekämpft werden, schmilzt die Lunge unseres Landes Tag für Tag. Auch wenn die Täter mal Grillfreunde, mal eine sich bekennende Terrororganisation sind, deutet das Ergebnis auf weitere Täter hin. Dass das nackte Land, das von den verbrannten Wäldern bleibt, zum Spekulationsobjekt wird und durch offenes Zeigen auf jemanden als Brandstifter Hass zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft geschürt wird, erinnert unweigerlich an das Wort des verstorbenen ehemaligen Geheimdienstmannes Mahir Kaynak: „Wem das Ergebnis eines Ereignisses nützt, der ist sein Täter.“ Betrachtet man die jüngsten Waldbrände aus diesem Blickwinkel, lassen sich viele Erkenntnisse über die Täter gewinnen.

Eigentlich weiß jeder verbrannte Baum, jeder verbrannte Grashalm sehr genau, wer ihn verbrannt hat…

Unser Grün schwindet von Tag zu Tag. Der Weg, unserer Zukunft eine lebenswerte Welt zu hinterlassen, führt über Maßnahmen, die schon jetzt ergriffen werden. Wir dürfen unsere Wälder, die Tausende Pflanzen- und Tierarten beherbergen, nicht so leicht aufgeben. Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, die zu unserem Kampf gegen Brände beitragen kann. Einschließlich unseres Nachbarn, der vor zwei Jahren mit Bränden kämpfte und den unsere nationale Presse spöttisch „Yananistan“ nannte (ein Wortspiel mit Yunanistan, Griechenland: „Brennistan“). Vielleicht erwärmen sich bei dieser Gelegenheit auch unsere abgekühlten Beziehungen ein wenig.

Wir sagten eingangs, dass Backsters Experimente gezeigt haben, dass auch Pflanzen Gefühle haben, verstehen und leiden. Versetzen wir uns in die Lage der Pflanzen und der anderen Lebewesen, die bei den Bränden zu Schaden kamen, und stellen wir uns vor: Mit Tausenden unserer Freunde, an Händen und Armen gefesselt, von den Menschen verbrannt zu werden, die wir lieben und denen wir saubere Luft schenken… Zu sterben, während wir den Schrei und den Schmerz jedes Lebewesens hören… Und dass es in den Nachrichten heißt „Keine Todesopfer“, ohne ein einziges Wort über uns…

Das letzte Wort soll Meister Nâzım haben:

“Yaşamak bir ağaç gibi tek ve hür

ve bir orman gibi kardeşçesine,

bu hasret bizim.”

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