Fatma Deniz, Jahrgangsbeste am Mädchengymnasium Bursa, wurde nach Stationen am Caltech und in Berkeley zur Präsidentin der TU Berlin gewählt. Die Geschichte einer Wissenschaftlerin, die eine Brücke zwischen Gehirn und künstlicher Intelligenz schlägt.
Die Technische Universität Berlin (TU Berlin), eine der führenden technischen Universitäten Deutschlands, wird erstmals in ihrer Geschichte von einer Präsidentin türkischer Herkunft geleitet. Die Informatikerin und Kognitionsneurowissenschaftlerin Prof. Dr. Fatma Deniz wurde im Erweiterten Akademischen Senat der Universität mit 42 Stimmen zur Präsidentin gewählt.
Mit diesem Ergebnis ließ Deniz ihre Konkurrentin, die amtierende Präsidentin Geraldine Rauch, mit mehr als doppelt so vielen Stimmen hinter sich und ist die erste türkischstämmige Präsidentin der TU Berlin. Deniz trat ihr neues Amt am 1. April 2026 an.
Prof. Dr. Fatma Deniz wurde 1983 in München als Kind einer türkischen Familie geboren und absolvierte ihre Schulzeit in Bursa in der Türkei. Nachdem sie das Mädchengymnasium Bursa, das sie von 1997 bis 2001 besuchte, als Jahrgangsbeste abgeschlossen hatte, kehrte sie zum Studium nach Deutschland zurück. 2008 schloss sie ihr Informatikstudium an der Technischen Universität München (TUM) mit dem Diplom ab.
Ihren akademischen Weg setzte Deniz in den USA fort und fertigte 2007–2008 am California Institute of Technology (Caltech) ihre Diplomarbeit im Bereich Computation and Neural Systems an. Anschließend promovierte sie in Informatik in Kooperation von TU Berlin und Bernstein Center for Computational Neuroscience.
Nach der Promotion forschte Deniz von 2013 bis 2020 an der University of California, Berkeley. In dieser Zeit war sie als Postdoktorandin am Helen Wills Neuroscience Institute und am International Computer Science Institute tätig. Zudem arbeitete sie als Moore-Sloan Fellow am Berkeley Institute for Data Science und lehrte im Bereich Data Science.
2020 kehrte Fatma Deniz nach Deutschland zurück und begann ihre Arbeit an der TU Berlin als Leiterin des Projekts „Sprachrepräsentationen bei Zweisprachigen“. Im April 2023 wurde sie zur Professorin für Informatik an der TU Berlin berufen und übernahm im selben Jahr die Leitung des Fachgebiets „Sprache und Kommunikation in biologischen und künstlichen Systemen“. Im April 2024 trat sie als Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit in die Hochschulleitung ein.
Forschung als Brücke zwischen Sprache, Gehirn und künstlicher Intelligenz
In ihrer Forschung zeichnet sich Fatma Deniz durch wegweisende Ansätze aus, die die Frage, wie das menschliche Gehirn Sprache verarbeitet, mit Technologien der künstlichen Intelligenz verbinden. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage „Wie versteht das menschliche Gehirn Sprache?“ untersucht Deniz mit fortgeschrittenen bildgebenden Verfahren (etwa fMRT), mit welchen neurobiologischen Mechanismen das Gehirn Wörter, Sprache und Bedeutung verarbeitet. Ihre Erkenntnisse sollen sowohl zum Verständnis der Sprachverarbeitung bei gesunden Menschen als auch zur Behandlung von Sprachstörungen beitragen.
Die zweite Säule ihrer Forschung zielt darauf, künstlicher Intelligenz ein menschenähnliches Sprachverständnis zu vermitteln. Deniz will KI-Modelle entwickeln, die von der Sprachverarbeitung im menschlichen Gehirn inspiriert sind, und künstlichen Systemen etwa die Reaktionen beibringen, die im Gehirn entstehen, wenn wir ein Wort hören. So sollen KI-Modelle entstehen, die Sprache genauer und menschenähnlicher deuten. Diese Arbeiten ebnen zugleich den Weg für Technologien, die Gedanken oder Absichten aus Hirnsignalen lesen sollen.
Drittens entwickelt Prof. Deniz eine vergleichende Perspektive auf biologische und künstliche Systeme. Indem sie nebeneinander untersucht, wie das menschliche Gehirn und KI-Algorithmen Sprache verarbeiten, zeigt sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Ziel ist es, das Zusammenspiel neuronaler Strukturen und künstlicher Systeme besser zu verstehen und so beide Bereiche voranzubringen.
Diese interdisziplinären Arbeiten können die Kommunikationstechnologien der Zukunft prägen. Deniz’ Erkenntnisse könnten die Grundlage zahlreicher innovativer Anwendungen bilden, von der Kommunikation über Gehirn-Computer-Schnittstellen für Menschen, die ihre Sprechfähigkeit verloren haben, bis zur Entwicklung „menschenähnlicherer“ KI-Systeme. Kurz gesagt gilt Prof. Dr. Fatma Deniz als eine der Forscherinnen, die die Grenzen zwischen Neurowissenschaft und künstlicher Intelligenz aufheben, verschiedene Wissenschaftsbereiche zusammenführen und die Technologien der Zukunft prägen.
Eine historische Wahl in Berlin und eine Erfolgsgeschichte mit Migrationshintergrund
Mit ihrer Wahl zur Präsidentin der TU Berlin mit überwältigenden 42 Stimmen schrieb Fatma Deniz nicht nur in ihrer eigenen Laufbahn, sondern auch in der deutschen Wissenschaftsgeschichte ein neues Kapitel. Erstmals steigt an der TU Berlin, deren Gründung ins 19. Jahrhundert zurückreicht, eine Wissenschaftlerin türkischer Herkunft in die höchste Leitungsposition auf.
Dass Deniz an die Spitze dieser Einrichtung rückt, die bis heute als eine der angesehensten technischen Universitäten Europas gilt, wird als wichtiger Meilenstein für die türkischstämmige Wissenschaftsgemeinschaft in Europa gewertet. Tatsächlich ist Prof. Deniz als Tochter einer Einwandererfamilie, die es in Deutschland an die Spitze der Wissenschaft geschafft hat, ein Vorbild für viele junge Menschen.
In einer Erklärung nach der Wahl dankte Deniz für das ihr entgegengebrachte Vertrauen und beschrieb ihre Vision für die TU Berlin so:
„Unser gemeinsames Ziel ist es, eine moderne Technische Universität zu gestalten, die wissenschaftliche Exzellenz lebt.“
Diese Aussage zeigt ihre Entschlossenheit, die Universität mit innovativer Forschung und ihrem Führungsverständnis in die Zukunft zu führen. Viele Personen und Institutionen, darunter Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, gratulierten Deniz in den sozialen Medien und feierten diesen Erfolg.
Mit ihrer Ausbildung in der Türkei und in Deutschland und ihrer wissenschaftlichen Erfahrung in Amerika stellt Prof. Dr. Fatma Deniz ihr internationales Wissen in den Dienst der Menschheit. Ihr Weg von der Schulzeit in Bursa bis zu den Forschungsjahren in München und Kalifornien zeigt sowohl die Bausteine ihres Erfolgs als auch die grenzenlose Natur der Wissenschaft.
Fatma Deniz’ Erfolg als neue Präsidentin der TU Berlin ist ein Grund zum Stolz für die türkische Gemeinschaft ebenso wie für die Wissenschaft. Man kann ohne Weiteres sagen, dass diese Erfolgsgeschichte nicht nur zeigt, wie weit es eine Wissenschaftlerin mit Migrationshintergrund durch Beharrlichkeit und Leistung bringen kann, sondern auch künftige Erfolge inspirieren wird.
Quellen
- tr.wikipedia.org tr.wikipedia.org
- Türkiye Today turkiyetoday.com
- DW Türkçe dw.com
- IHA iha.news
- TU Berlin tu.berlin
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