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Wo Worte und Menschlichkeit enden

Wie sinnvoll ist es, am Morgen nach einer Nacht des Massakers in Gaza über Terror und Terroristen zu sprechen? Über den Punkt, an dem angesichts der Bilder von Kinderleichen Worte und Menschlichkeit enden.

Gazas herzzerreißende Geschichte

Am Morgen nach einer Nacht, in der Israel in Gaza mit Luftangriffen ein Massaker verübte, weiß ich nicht, wie sinnvoll es ist, Gedanken über die Fragen anzustellen, was Terror ist und wer Terrorist ist. Bilder zerfetzter Kinderkörper sind überall in den sozialen Medien. Die Schreie in Tränen aufgelöster Mütter klingen in unseren Ohren. In einer Ohnmacht, die uns handlungsunfähig macht, bleibt uns nichts, als hinauszuschreien, dass wir an der Seite der Unschuldigen und Unterdrückten stehen. Die Welt, die sich für zivilisiert hält und ihr Gewissen und ihr Erbarmen verloren hat, hat die Begriffe Waffenruhe, Verhandlung, Dialog und Diplomatie aus ihrem Wortschatz gestrichen. Wo es kein Gewissen und kein Erbarmen gibt, sind die Grenzen der Terrorbekämpfung durchlöchert.

Wir alle wussten, dass in den internationalen Beziehungen Interessen an erster Stelle stehen. Aber wir wussten nicht, dass diesen Interessen weit mehr Wert beigemessen würde als dem menschlichen Leben, dass Massaker und Völkermorde selbst in den Sälen der UN blind gebilligt werden könnten. Wir ahnten es, aber wir taten so, als wüssten wir es nicht.

Wir sollten festhalten, dass jeder Staat, der vor den Augen der ganzen Welt die Haltung offen unterstützt, die das Massaker und die Vernichtung von Menschenmassen einschließlich ziviler, unbewaffneter, unschuldiger Menschen billigt, oder der mit „Ich enthalte mich“ strammsteht, für den begangenen Mord mitverantwortlich ist.

Die Reden, die wir morgen oder übermorgen über die ethische Dimension der Terrorbekämpfung hören werden, die Ansprachen über die Heiligkeit des menschlichen Lebens, werden keine Bedeutung haben. Auf den Trümmerhaufen einer Szene der Barbarei zu steigen, in die die angesehenen Sozialwissenschaftler der Nationen nicht eingreifen konnten, und „Nieder mit dem Zionismus, nieder mit dem Imperialismus, Mörder Israel“ zu rufen, hat angesichts zerfetzter Körper und der Klagen von Müttern, die am Himmel ohne Echo verhallen, keinerlei Wert.

Nun liegt die bittere Rechnung vor uns für Menschen, die an denselben Gott glauben, auf demselben Land leben, dieselbe Luft atmen, die das Schicksal zum Zusammenleben gedrängt hat und die nicht vorhaben, darauf zu verzichten, die sich durch nichts als ihre Religionszugehörigkeit unterscheiden und doch die Mördernetzwerke in ihren Reihen nicht zügeln konnten. Hätte die Hamas an der Seite der besonnenen Menschen Palästinas gestanden und deren Unterstützung gehabt, hätten manche skrupellose und radikale israelische Politiker wirklich die Interessen des friedliebenden israelischen Volkes im Blick gehabt (man muss den Kalender gar nicht weit zurückdrehen), dann wäre nicht geschehen, was seit dem 7. Oktober geschehen ist. Auf beiden Seiten hätten nicht so viele Unschuldige ihr Leben verloren. Städte wären nicht dem Erdboden gleichgemacht worden.

Zivilisationen entstehen über sehr viele Jahre. Ganz im Gegenteil dazu können sie aber in sehr kurzer Zeit zerstört werden, etwa mit einigen Langstreckenraketen oder einem kurzen Luftangriff. Nun werden viele Politiker und Staatsmänner auf den Trümmerhaufen in Israel und Gaza herumtrampeln, aus ideologischer oder ignoranter Gedankenlosigkeit politischen Nutzen aus dem Trauma ziehen wollen, nationalistische Reden halten und das Volk aufhetzen. Sie werden die Morde der Mörder in einer Gemeinschaft zu einem Objekt des Hasses gegen die ganze Gemeinschaft machen. Sie werden eine Seite zum Opfer und die andere zum Mörder erklären. Sie werden die einen als unschuldig und die anderen als Terroristen abstempeln. So wird es in der Türkei sein und auch in anderen Ländern.

Was bedeuten Begriffe wie Terror, Terrorist, unschuldig, unterdrückt, Mörder usw. für die Gesellschaft? Verstehen alle dasselbe darunter? Ich glaube nicht. Doch wenn das Pathos der Redner auf die Parteilichkeit der Massen trifft, lassen sich Menschenmengen sehr leicht um ein Gefühl oder einen Gedanken mobilisieren. Die einen zu Terroristen, Mördern, Schlächtern und die anderen zu Unschuldigen, Unterdrückten, Märtyrern zu erklären, beruht auf recht einfacher Wortakrobatik.

Angesichts zerfetzter Körper und der Klagen von Müttern, die international ohne Echo bleiben, leben wir in einer Zeit, in der Worte nicht ausreichen, um den Schmerz zu beschreiben, den wir empfinden. Dennoch müssen wir die Begriffe und historischen Prozesse verstehen, die solchen Ereignissen zugrunde liegen, um solche Tragödien richtig zu begreifen, objektive Sichtweisen zu gewinnen und, wenn nötig, einen Ausweg aufzuzeigen.

*****

Die Begriffe Terror, Terrorismus und Terrorist sind vor allem im letzten Jahrhundert ins Zentrum der Weltpolitik gerückt. Doch ihre Bedeutung unterscheidet sich von Region zu Region und von Staat zu Staat. Das verweist auf die Subjektivität und Relativität des Terrorbegriffs. Ebenso deutet ein Staat oder eine Gemeinschaft eine Tat, die ein anderer Staat oder die internationale Gemeinschaft als Terror einstuft, ganz anders, etwa als Kampf um Rechte.

Das bringt auch das Argument mit sich, dass es in den internationalen Beziehungen kein objektives „Richtig“ oder „Falsch“ gibt. Wie in der Israel-Gaza-Frage muss ein Ereignis in allen seinen Aspekten gründlich untersucht werden, bevor man ein klares Urteil fällt.

Betrachten wir nun in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Terrorismus im letzten Jahrhundert und den historischen Verlauf des Begriffs in groben Zügen. Allerdings in unserem nächsten Beitrag …

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