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Fake-Shops: Ein aktuelles Beispiel für digitale Kriminalität

Fake-Shops, die wie normale Onlineshops aussehen, das Geld kassieren und die Ware nie verschicken, breiten sich weltweit aus. Der Beitrag beschreibt dieses Betrugsmodell und erklärt, warum es so lange überleben kann.

Was genau sind die Fake-Shops, denen man überall auf der Welt begegnet und die von Tag zu Tag aktiver werden? Kurz gesagt handelt es sich um ein Betrugssystem, das unter dem Anschein eines völlig normal funktionierenden Online-Einkaufssystems die Bestellung und das Geld des Kunden entgegennimmt, ihm dafür aber kein Produkt oder ein weit weniger wertvolles schickt. Zwar gibt es auch Betrüger, die bekannte Online-Shopping-Seiten kopieren und auf diese Weise Menschen zu täuschen versuchen, doch diese Kopien leben nicht lange, weil sie leicht zu entdecken, zu verfolgen und zu bekämpfen sind.

Während die Existenz von Fake-Shops in einem Land, in dem Demokratie und Rechtsstaat nicht voll funktionieren, kaum überrascht: Wie können sie sogar in Ländern der Europäischen Union mit entwickelter Demokratie aktiv sein, in denen das Recht nahezu ideal funktioniert?

Fake-Shop… Der Ausdruck wird in fast allen Ländern auf Englisch verwendet, und viele Menschen ziehen die Entsprechung in ihrer eigenen Sprache nicht vor, da das Thema auch eine internationale Dimension hat.

Im Internet gibt es zahlreiche Informationsblätter zu diesem Thema, die sowohl von Justizbehörden als auch von Fachleuten für Cybersicherheit erstellt wurden. Auf Wunsch findet man online sogar Listen der bislang identifizierten oder vielfach beanstandeten Fake-Shops. Die Sache ist so komplex geworden, dass die Betrüger nicht einmal in das Land reisen müssen, dessen Bürger sie ins Visier nehmen. Nötig ist allein ein professionelles Vorgehen, das sowohl der internationalen als auch der in dem Zielland üblichen E-Commerce-Kultur entspricht. Darüber hinaus brauchen sie nur einen geeigneten Weg oder eine Methode für den Geldtransfer, über die sie das Geld ihrer Opfer erhalten können. Bedenkt man, dass allein 2021 weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen online eingekauft haben, wird deutlich, wie groß der Markt ist und wie schwierig es ist, alle Aktivitäten zu überprüfen.

Verbreitete Fake-Shop-Methoden und einige Informationen über die Funktionsweise des Systems:

  • Die gefälschten Internetseiten sind so perfekt gestaltet, dass kein Verdacht aufkommt.
  • Gezielt wird der Eindruck erweckt, dass einige Produkte vorübergehend reduziert sind. Leider können dabei auch die führenden Suchmaschinen den Betrügern in die Hände spielen, denn selbst Großkonzerne nutzen viele Wege, um ihre Gewinne zu maximieren, und lassen keine Gelegenheit aus. Wer etwa im Internet nach einem Kühlschrank, einem Computer oder nur einer Kaffeemaschine sucht, kann von bekannten Suchmaschinen die Nachricht erhalten, dass die Marke und das Modell, auf die er sich konzentriert, gerade auf einer anderen Seite reduziert sind. Und diese Nachricht wird in einem ganz normalen, vertrauten Werbeformat präsentiert.
  • Nachdem man auf der Seite gestöbert und ein Produkt ausgewählt hat, wird man aufgefordert, zum Abschluss des Kaufs per Überweisung oder Kreditkarte zu zahlen. Außerhalb bekannter Plattformen wie Amazon oder eBay würde diese Aufforderung normalerweise Misstrauen wecken. Kunden nutzen lieber Zahlungsmittel mit nachgewiesener Sicherheit wie PayPal. Dagegen läuft das Szenario folgendermaßen ab. Auf der Internetseite des Fake-Shops wird nämlich angegeben, dass PayPal und viele weitere Zahlungssysteme akzeptiert werden. Das schafft Vertrauen und zugleich ein professionelles Image, denn an diesen Zahlungsmitteln zweifelt niemand. Will man jedoch mit ihnen bezahlen, erscheinen Meldungen wie „Verbindung zum Server konnte nicht hergestellt werden“. In Wahrheit ist das reines Online-Theater, denn der Name PayPal ist hier nur ein Werkzeug, ein Vorhang, der den Betrug verdecken soll.
  • Genau in diesem Moment erscheint auch ein zusätzlicher Rabatt für die Zahlung per Überweisung (etwa 5–15 %), der den Appetit des Kunden noch weiter anregt. Der Kunde, der das gesuchte Produkt mit einem Schnäppchenrabatt unter Marktpreis gefunden hat und diesen befristeten Rabatt nicht verpassen will, wird also geradezu hypnotisiert.
  • Wie wird der Kunde also Opfer dieses Betrugs? Weil er eine echte Firma vor sich zu haben scheint. Es gibt eine Adresse, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, sogar eine gültige IBAN einer legalen Bank. Zudem ändern sich die Preise im Internet ständig, und periodische Rabattaktionen sind üblich. Selbst das kleinste Geschäft will seine Produkte auch online verkaufen. All das ermöglicht es den Betrügern, sich zu tarnen.
  • Alles ist bis ins kleinste Detail durchdacht, sodass der Kunde sogar eine völlig echt wirkende Rechnung und Informationen darüber erhält, unter welchen Bedingungen er das Produkt zurückgeben kann. Der Kunde kann sich auf der Seite registrieren. Er legt ein Passwort an, gibt seine Daten ein und kann später sogar seine Bestellungen dort verfolgen, oder genauer gesagt glaubt, es zu können. Doch alles ist nichts als eine theatralische Inszenierung. Auf manchen Seiten gibt es sogar Hinweise zur Rücksendung von Produkten und rechtliche Informationen dazu. Um es zu wiederholen: Nichts ist dilettantisch gemacht. Auf die dilettantischen Seiten müssen wir hier nicht eingehen.
  • Nach der Zahlung kommt entweder gar kein Produkt oder ein weit weniger wertvolles, völlig anderes, und die Lage wird für den Kunden kompliziert und schwer zu durchschauen. Danach hilft weder der Gang zur Bank noch zur Polizei viel, denn auf der Gegenseite ist niemand zu erreichen, und nach einiger Zeit verschwinden mit dem Geld auch die Internetseite und das Bankkonto. Meist erfährt das Opfer nicht einmal die Identität des Täters, denn Firma, Namen, Adresse, Telefonnummern, E-Mail-Adresse, kurz alles ist gefälscht, und das Bankkonto läuft vielleicht auf eine ahnungslose ältere Person oder auf einen Verstorbenen. Da personenbezogene Daten in der Europäischen Union gesetzlich sehr gut geschützt sind, müssen Banken, Polizei und Staatsanwaltschaft zudem sehr behutsam vorgehen. Schriftverkehr und Auskunftsersuchen zwischen den Ländern laufen langsam, zum Nachteil des Opfers und zum Vorteil des Verdächtigen. Gegen jede ergriffene Maßnahme entwickeln die Betrüger neue Strategien. Vielleicht kennen sie die Gesetze und Abläufe besser als jeder andere.

In diesem Zusammenhang ist klar, dass nicht die relativ dilettantischen oder weniger sorgfältig gemachten Fake-Seiten, die auf den ersten Blick als Fälschung erkennbar sind, sofort Verdacht erregen und von Suchmaschinen mit der Warnung „Nicht sicher“ versehen werden, sondern das von Profis betriebene Betrugssystem für die Gesellschaft gefährlicher ist. Die Punkte, die wir hier anzusprechen versucht haben, sind wahrscheinlich nur einige der bekannten Teile des Problems. Die Methoden, die die Betrüger anwenden und täglich weiterentwickeln, sind mit Sicherheit weitaus zahlreicher. Zudem lässt sich kaum abschätzen, welchen weiteren Schaden sie den Menschen mit den erlangten persönlichen Daten zufügen können.

Fazit: Bei jedem Online-Geschäft, vor allem bei Geldangelegenheiten, ist große Vorsicht geboten. Grundsätzlich sollte man bei vertrauenswürdigen, bekannten Seiten einkaufen. Im Zweifel sollte man vorher anrufen und sich informieren und unbedingt Bewertungen und Beschwerden im Internet prüfen. Die Adresse der Firma sollte in Online-Kartendiensten überprüft und unbedingt verifiziert werden, dass sie einen echten Sitz hat. Wenige Bewertungen zu einer Seite oder einem Produkt können gefälscht oder unwahr sein, doch das Bild, das sich aus Tausenden von Bewertungen ergibt, kann uns in der Regel eine Vorstellung vermitteln. Firmen, die sich um negative Bewertungen kümmern und zu helfen versuchen, gewinnen zudem großes Ansehen. In Onlineshops, in denen ein Bekannter oder Freund selbst eingekauft hat und mit dem Service zufrieden war, kann man jederzeit beruhigt einkaufen. Für Menschen, die außerhalb der Türkei leben, ist es außerdem ein sehr wichtiges Zeichen der Vertrauenswürdigkeit, wenn die Firma Zahlungen über PayPal und ähnliche sichere Zahlungssysteme akzeptiert.

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