Der Angriff der Hamas vom 7. Oktober und Israels Antwort haben die Region in eine Sackgasse geführt. Ob sich der Krieg ausweitet, hängt von den Schritten der Hisbollah und damit Irans ab.
Am 7. Oktober startete die Hamas einen unerwarteten Angriff auf israelisches Gebiet, der alle schockierte. Dabei wurden mehr als 1.200 israelische Bürger getötet. Daraufhin riegelte Israel den Gazastreifen vollständig ab und antwortete auf den Terrorakt der Hamas mit heftigen Luftangriffen. Nach den jüngsten offiziellen Zahlen kamen fast 2.000 Menschen ums Leben, darunter Kinder und Frauen. Zudem haben sich rund 1,5 Millionen Vertriebene im Süden am Übergang Rafah nach Ägypten gesammelt. Ägypten hält den Grenzübergang Rafah wegen der israelischen Luftangriffe geschlossen. Obwohl Israel erklärt hat, die Luftangriffe nicht einstellen zu wollen, weil Hamas-Kämpfer unter den Zivilisten nach Ägypten fliehen würden, bleiben die Bemühungen Großbritanniens und der USA um eine Öffnung des Übergangs nicht unbemerkt.
Der Krieg in Gaza ist eine der heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Israel seit den 1980er Jahren. Beide Seiten erklären unmissverständlich, dass es keine andere Lösung als die Waffen gebe. Uns erwartet ein Prozess, in dem Dritte bestimmen werden, wohin sich die Kämpfe zwischen beiden Seiten entwickeln. Die USA, Iran, Russland, Syrien, die Türkei und Großbritannien haben gewiss Interessen am Verlauf dieses Krieges.
Ob die Hisbollah aktiv in die Kämpfe eingreift, ist eine der größten Fragen. Warum ist das so wichtig? Weil der Krieg automatisch größer wird, wenn die Hisbollah Israel angreift. Israel wird dann Ziele der Hisbollah im Libanon und in Syrien direkt angreifen. Wird die Hisbollah getroffen, ist auch Iran in den Konflikt hineingezogen. Tatsächlich herrscht seit den ersten Minuten des Angriffs die Ansicht vor, Iran habe die Hamas-Operation materiell und operativ unterstützt. In nachrichtendienstlichen Berichten aus offenen Quellen gibt es dazu aber noch keine konkreten Belege.
Greift Iran über die Hisbollah in die Kämpfe ein, bedeutet das, dass Israel direkt gegen iranische Ziele in Syrien vorgeht. Dass es dabei nicht zögern wird, zeigte es mit dem Luftangriff auf den Flughafen Aleppo am 12. Oktober. Die Wahl Aleppos als Ziel war eine direkte Botschaft an Iran.
Und zwar: Zwischen dem 1. und 7. Oktober flog Syrian Airlines dreimal nach Teheran. In den letzten sechs Monaten des vergangenen Jahres führte Syrian Airlines 14 Flüge zwischen Teheran und Damaskus durch.
Bekannt ist auch, dass Syrian Airlines den Flughafen Aleppo als zentrales Drehkreuz nutzt. Im vergangenen März hatte die israelische Luftwaffe am Flughafen Aleppo ein Waffenlager angegriffen, das nach ihren Angaben Iran gehörte.
Als Reaktion auf diese Entwicklungen bekräftigte Iran seine Unterstützung für die Hamas am 14. Oktober auf höchster Ebene, als sein Außenminister in Doha mit dem Hamas-Führer zusammentraf.
Nach diesem Treffen wurde beschlossen, die iranischen Revolutionsgarden in Deir ez-Zor weiter nach Süden an die Grenze Syriens zu Israel zu verlegen.
Wird Israel in Gaza einmarschieren?
Satellitenbilder zeigen, dass Israel seine Luftangriffe im Norden des Gazastreifens konzentriert. Daraus lässt sich schließen, dass die israelischen Bodentruppen eine Operation mit dem Norden Gazas als Schwerpunkt planen.
Die Bilder zeigen zudem, dass Beit Hanun, die nördlichste Stadt, fast vollständig zerstört ist. Der wichtigste Grund für Bombardierungen dieses Ausmaßes ist, die Städte, in denen Häuserkämpfe stattfinden werden, für die Bodentruppen vorzubereiten.

Der Einmarsch der Landstreitkräfte in Gaza wird Häuserkämpfe unvermeidlich machen. Bei Waffen, Ausrüstung und Erfahrung ist die israelische Armee eine der Armeen, die den Häuserkampf am besten beherrschen. Ihr gegenüber steht jedoch die Hamas, die der starken israelischen Armee trotz begrenzter Mittel seit Jahren schwere Verluste zufügt. Die Tunnel- und Nachrichtendiensttechniken der Hamas haben Eingang in die Fachliteratur zum Häuserkampf gefunden. Sie werden sogar von vielen Organisationen nachgeahmt. Die PKK etwa betrachtet die Hamas wegen ihrer Techniken operativ als Vorbild.
Zurück zum Thema: Während sich die israelische Armee auf einen Angriff zu Land, aus der Luft und von See aus vorbereitet, führt sie auch gezielte Operationen gegen führende Hamas-Kommandeure durch.
Israel gab bisher bekannt, bei gezielten Operationen Murad Abu Murad, den Kommandeur der Luft- und Raketenkräfte der Hamas, Ali Qadi, der das Massaker vom 7. Oktober leitete, und Bilal al-Qedra, einen hochrangigen Hamas-Kommandeur in Gaza, getötet zu haben.
Das israelische Verteidigungsministerium erklärte, 300.000 Reservisten stünden ebenfalls für die Besetzung Gazas bereit. Ein Teil der Ausrüstungslücken und sonstigen Bedürfnisse dieser Soldaten wird durch Spenden von Zivilisten gedeckt.
Fazit
Die Hamas, die in Gaza klar einen Heimvorteil hat, verfügt über kilometerlange, weit verzweigte Tunnelnetze und hat wahrscheinlich im ganzen Gebiet Fallen, Sprengsätze und befestigte Stellungen angelegt. Die materiellen und moralischen Kosten des Krieges in Gaza werden sehr hoch und gnadenlos sein. Und es ist fast sicher, dass dieser Krieg mindestens einige Monate dauern wird. Ob Israel den Gazastreifen so „besitzen“ will, wie es die Golanhöhen „besitzt“, ist offen. Die intensive Bombardierung des nördlichen Gaza aus der Luft und vom Boden aus erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Israel eine bedeutende Bodentruppe in das Gebiet schickt.
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