In einem modernen Sicherheitsumfeld, in dem asymmetrische und hybride Bedrohungen im Vordergrund stehen, wird Cybersicherheit noch immer nicht ausreichend behandelt. Iran ist in diesem Bereich als Ziel und Angreifer ein lehrreiches Beispiel.
Mit der Entwicklung der Technologie haben sich wie in allen Bereichen auch im Sicherheits- und Militärbereich große Veränderungen und Entwicklungen ergeben. Vor allem zu Beginn des 21. Jahrhunderts bildeten Begriffe und Konzepte wie unkonventionell, asymmetrisch und hybrid die Hauptschwerpunkte des Sicherheitsbereichs. Verteidigungs- und Sicherheitspolitik werden im Rahmen dieser Kernkonzepte gestaltet. Obwohl Begriffe wie Cybersicherheit, elektronische Kriegsführung sowie elektronischer Angriff und elektronische Verteidigung in diesen Konzepten und Theorien vorkommen, wurden sie nicht ausreichend behandelt und nicht wirksam in das aktuelle Sicherheitskonzept einbezogen.
Das Sicherheitsumfeld hat eine Struktur angenommen, die in ihren Dimensionen wie in ihren Akteuren von Tag zu Tag komplexer wird und sich rasch verändert. Folgerichtig haben die Unsicherheiten im Sicherheitsumfeld zugenommen, und es hat sich zu einer unvorhersehbaren Struktur entwickelt. Diese Komplexität, der rasche Wandel und die Unsicherheit sind schwer zu überwindende Hindernisse, und es handelt sich nicht um ein Problem, das sich allein mit herkömmlichen Methoden lösen lässt. Deshalb sollten Strategien zugrunde gelegt werden, die sich nicht nur auf Verteidigung konzentrieren, über das klassische Sicherheitsverständnis hinausgehen und Sicherheit als Ganzes betrachten. Daher ist es äußerst wichtig, auch die regionalen und globalen Auswirkungen der Sicherheit zu berücksichtigen.
Der atemberaubende Wandel der Risiko- und Bedrohungswahrnehmungen im Sicherheitsumfeld macht es nötig, alternative Vorgehensweisen für die zu ergreifenden Maßnahmen zu entwickeln. Dabei muss es sich nicht nur um militärische Maßnahmen handeln. Vor allem die Entwicklung globaler Kommunikationsnetze und die Digitalisierung durch das IoT (Internet der Dinge), auch als vierte industrielle Revolution bezeichnet, beeinflussen das heutige Sicherheitsverständnis erheblich.
Andererseits hat der Wandel der Sicherheitswahrnehmungen die bestehende Stellung von Energie und Energietransportleitungen, einer der wichtigen Problemquellen, noch weiter gestärkt. Ohne Energie kann das Leben nicht weitergehen. Diese Veränderungen und Entwicklungen rücken Cyber und Cybersicherheit im Hinblick auf Eingriffe in oder Angriffe auf Energie und Energietransportleitungen in den Vordergrund.
Die Begriffe Nation-State oder State Actor bezeichnen in der Regel den Staat oder Personen, die ihn vertreten. Ein Teil der Akteure, die Cyberangriffe verüben, gehört zu der als State Actors bezeichneten Gruppe. Daneben verüben auch Hacker und Hacktivisten Cyberangriffe. Für Cyberangriffe kann es viele Gründe geben: politische, finanzieller Gewinn, persönliche Befriedigung oder eine Anstellung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von Cyberangriffen ist, dass sie mit wenig Aufwand und geringen Kosten ernsten politischen, wirtschaftlichen und soziologischen Druck und Schaden beim Ziel erzeugen können. Berücksichtigt man die Akteure, ihre Motive sowie Stärke und Wirkung der Zerstörung, die sie anrichten können, lässt sich sagen, dass Cybersicherheit und Cyberangriffe in naher Zukunft das Sicherheitsproblem sein werden, das die Staaten am meisten beschäftigt. In diesem Zusammenhang sollten die nötigen Infrastrukturarbeiten geleistet und das Sicherheitskonzept mit Fokus auf Cybersicherheit neu aufgestellt werden, sodass es auch die Digitalisierung umfasst.
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Als aktuelles Beispiel lohnt es sich, kurz auf die Ereignisse in Iran einzugehen.
Infolge eines Cyberangriffs auf das iranische Kraftstoffverteilnetz am 26. Oktober 2021 kam es zu Problemen bei der Kraftstoffverteilung, und an den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Ebenso wurde im Juli in Iran ein weiterer Cyberangriff, diesmal auf das Eisenbahnnetz, verübt. Iran bezeichnet diese Angriffe als Angriffe auf die Integrität des Landes. Einer anderen Ansicht zufolge waren sie jedoch eine Vergeltung für bestimmte weltweite Cyberangriffe, die vermutlich von Iran aus mit Unterstützung der iranischen Regierung verübt wurden.
Im Mai 2020 wurde ein ähnlicher Cyberangriff auf den iranischen Hafen Shahid Rajaee verübt. Er gilt als Vergeltung für einen Cyberangriff Irans auf das israelische Wasser- und Abwassersystem im April. Der Angriff auf den Hafenbetrieb zielte auf den Verbindungsknoten und sollte dessen Funktion außer Kraft setzen oder unterbrechen. Infolgedessen kam der Betrieb im Hafen zum Erliegen, und der Hafen blieb mehrere Tage geschlossen.
Diese Cyberangriffe zeigen deutlich, dass sich die bestehenden Sicherheitswahrnehmungen ändern müssen.
Auf die Cybersicherheit und ihren Platz und ihre Bedeutung im heutigen Sicherheitskonzept werden wir auch am Beispiel anderer Länder eingehen.
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