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Die Strategie der Taliban

Die Entscheidung, Afghanistan den Taliban zu überlassen, fiel eigentlich 2020 in Doha. Der Text bewertet den Aufstieg der Taliban und die Folgen ihres Abkommens mit den USA.

Die Taliban, die 1994 aus den religiösen Gruppen hervorgingen, die den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung begonnen hatten, sind auf dem Weg, alleinige Herrscher Afghanistans zu werden. Die Entscheidung, das Land den Taliban zu überlassen, fiel eigentlich 2020, also unter Trump, in Doha, Katar. US-Präsident Biden zufolge sind der neuen US-Regierung durch diese Entscheidung die Hände gebunden.

Die eine Partei des Abkommens waren die USA, die andere die Taliban. Nach dem von Russland, China und Pakistan begrüßten Abkommen sollten die Truppen der USA und der NATO schrittweise aus dem Land abziehen. Und die Taliban, denen die Schlüssel des Landes übergeben wurden, sollten keine terroristischen Formationen im Land zulassen. Das ist das Abkommen. Tatsächlich ist das auf der offiziellen Website des US-Außenministeriums veröffentlichte Abkommen so kurz und klar.

Derzeit ist die Lage im Land jedoch, wie Sicherheitsexperten sagen, „clear as mud“, also völlig verworren. Bekanntlich erkennt die Europäische Union die Taliban offiziell nicht an. Den Äußerungen von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach zu urteilen, sind die Türen aber nicht ganz verschlossen. Vorerst beobachten alle die Taliban. Wie von der Leyen andeutete, wird darüber diskutiert, wie gnadenlos oder wie zivilisiert sie sind.

Fachleuten zufolge versuchen die Taliban mit einer „Strategie des vorsichtigen Optimismus“, während sie sich über das Land „hermachen“, zugleich die Afghanen und die Welt zu überzeugen.

Kurz gesagt haben die Taliban drei Sorgen:

Erstens, Lücken zu füllen. Indem sie das Machtvakuum im Land schnell füllen, wollen sie dem Geschehen einen Namen geben. In Afghanistan wartet derzeit eine große Bevölkerung still zu Hause ab, was geschehen wird. Auch die Zahl der Taliban-Gegner ist nicht gering.

Auch wenn der schnelle Vormarsch der Taliban selbst die NATO überraschte, könnten ein kleiner Funke und ein schwacher Widerstand das Land plötzlich in einen Bürgerkrieg stürzen. Die letzte Festung dieses Widerstands ist das Pandschir-Tal. Pandschir, die einzige Region, die sich nicht ergeben hat, wirft einen Schatten auf das Prestige der Taliban, verhält sich vorerst aber still. Das wird auf zweierlei Weise gedeutet. Erstens mit der Behauptung, die Verhandlungen mit den „Löwen von Pandschir“ dauerten an. Zweitens damit, dass die Taliban Zeit brauchen, um den Prozess zu steuern.

Die zweite Lücke, die die Taliban füllen müssen, sind Personal und dessen Qualität. Auch wenn noch nicht bekannt ist, wie viele der Fliehenden als Braindrain zu werten sind, ist klar, dass in vielen Berufsgruppen, allen voran Beamte und Lehrer, ausgebildetes Personal gebraucht wird. Auch die Taliban begreifen früher oder später, dass man ein neues Land nicht nur mit bewaffnetem Widerstand gründet. „Ein Level aufzusteigen“ ist nicht so einfach.

Die dritte Lücke sind die internationalen Beziehungen und die öffentliche Meinung. Auch wenn China, Russland, Iran und Pakistan irgendwie Beziehungen zu den Taliban unterhalten, ist die von den USA und Europa angeführte internationale Unterstützung sehr wichtig. Ohne diese Unterstützung lässt sich in jener Region weder ein Staat gründen noch ruhig schlafen. Chatham House zufolge kann ein Land wie Afghanistan ohne Unterstützung von außen nicht bestehen. Selbst wenn es den Taliban gelingt, den Staat wieder aufzubauen, wird sich diese Tatsache nicht ändern. Deshalb müssen auch die Taliban, die den Großteil des Staates schnell und mühelos übernommen haben, die internationale Öffentlichkeit berücksichtigen.

Man kann daher sagen, dass die Taliban, sicher, dass jede ihrer Bewegungen im Land beobachtet wird, „gemäßigter“ handeln als erwartet. Dass sie die sozialen Medien aktiv nutzen, das Gebäude von Tolo News, dem größten Nachrichtensender des Landes, „menschlich“ besuchten und sogar einer Nachrichtensprecherin erlaubten, auf den Straßen zu senden, sind vorsichtige Schritte einer Kommunikationsstrategie der Taliban.

Auf den Social-Media-Plattformen herrscht derweil Verwirrung. Die Facebook-Führung, die kürzlich ein Notfallteam eingerichtet hat, sperrte sowohl das Facebook- als auch das WhatsApp-Konto eines Taliban-Funktionärs. YouTube und Twitter, die herauszufinden versuchen, ob es eine De-facto-Beziehung zwischen der US-Regierung und den Taliban gibt, greifen bei Beiträgen ohne Gewaltaufrufe nicht ein.

Was die Türkei betrifft…

Schließen wir mit dem schönen Schlusssatz der Märchen. Drei Äpfel sind vom Himmel gefallen, vorerst. Der eine: Der afghanische Zustrom. Der zweite: Der Einsatz türkischer Soldaten. Und der andere: Der Wiederaufbau Afghanistans. Jeder wird seinen Anteil bekommen, wie es scheint.

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