Jahrelang hielt sich Deutschland beim Verkauf von Eurofightern an die Türkei zurück; schließlich stimmte es zu. Die Entscheidung deutet auf eine pragmatische Wende in einem durch den Russland-Ukraine-Krieg veränderten europäischen Sicherheitsgefüge hin.
Deutschland verhielt sich lange zurückhaltend gegenüber einem Verkauf von Eurofighter-Typhoon-Kampfflugzeugen an die Türkei. Dass der Verkauf nach jüngsten Entwicklungen nun genehmigt wurde, hat jedoch Fragen nach der Aufrichtigkeit der strategischen Beziehungen Deutschlands zur Türkei aufgeworfen. (i) Aktualisierung: Deutschland genehmigte den Verkauf im Juli 2025 förmlich, und am 27. Oktober 2025 unterzeichneten die Türkei und das Vereinigte Königreich einen Vertrag über 20 Eurofighter Typhoon im Wert von rund 8 Milliarden Pfund.
Diese Entscheidung bedeutet weniger, dass Deutschland seine bestehenden Bedenken gegenüber der Türkei übergangen hätte, als vielmehr, dass es sich angesichts geopolitischer Zwänge einem pragmatischen Politikwechsel zugewandt hat.
Diese im Rahmen des NATO-Bündnisses und regionaler Sicherheitsdynamiken entstandene Genehmigung deutet darauf hin, dass Deutschland einen Ansatz verfolgt, der eine stärkere Rolle der Türkei in der regionalen Sicherheit unterstützt.
Historische Entwicklung und Deutschlands Bedenken
Während die Türkei lange als strategisch wichtiger Verbündeter in Europa und der NATO galt, haben ihre außen- und sicherheitspolitischen Schritte vor allem im letzten Jahrzehnt die Sorgen Deutschlands und anderer europäischer Länder verstärkt.
Waffenverkäufe waren eingeschränkt worden
Die Bundesregierung genehmigte bis zum Putschversuch 2016 in großem Umfang Rüstungsexporte in die Türkei. Nach dem Putschversuch und den türkischen Militäroperationen in Syrien wurden die Rüstungsexporte in die Türkei jedoch erheblich eingeschränkt, und es wurde ein „verdecktes Embargo“ angewandt. (i)
Die mit der NATO nicht abgestimmte sicherheitspolitische Haltung der Türkei führte dazu, dass Deutschland seine Waffenverkäufe an die Türkei begrenzte. Wegen eines möglichen Missbrauchs militärischer Ausrüstung bei den türkischen Operationen in Nordsyrien hielt sich Deutschland beim Verkauf zurück, aus Sorge, dass hochentwickelte Waffen wie der Eurofighter bei solchen Operationen eingesetzt werden könnten.
Zudem verstärkte der Kauf russischer S-400-Luftabwehrsysteme durch die Türkei 2019 Deutschlands Sicherheits- und Kompatibilitätsbedenken. Deutschland und andere Verbündete lehnten diesen Schritt ab, weil er die NATO gefährden könne. Deutschland verzichtete auch wegen Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen der Meinungsfreiheit in der Türkei auf Waffenverkäufe.
Trotz dieses Hintergrunds und obwohl die Bedenken nicht ausgeräumt sind, hat Deutschland nun mit Blick auf die geopolitische Lage der Türkei und die Sicherheitsinteressen Europas eine flexible Haltung eingenommen und den Verkauf des Eurofighters genehmigt.
Mögliche Erklärungen und Gründe für den Strategiewechsel
Deutschlands Entscheidung deutet auf drei grundlegende Möglichkeiten hin:
- Die wachsende Bedeutung der Türkei für die NATO und das europäische Sicherheitsgleichgewicht:
Man kann annehmen, dass Sorgen, die aus dem noch nicht beendeten Krieg zwischen Russland und der Ukraine erwachsen, bei der Genehmigung dieses Waffenverkaufs an die Türkei eine Rolle spielten. Die Dauer des Krieges dürfte die Befürchtung genährt haben, Russland könnte seinen militärischen und politischen Einfluss in der Region weiter ausbauen. Die in den letzten Jahren ausgebaute wirtschaftliche und strategische Zusammenarbeit der Türkei mit Russland wird von Deutschland und anderen NATO-Ländern aufmerksam beobachtet. Diese Annäherung bedeutet, dass Russland über die Türkei mehr Einfluss im Nahen Osten und im Mittelmeerraum gewinnen könnte.
Vor diesem Hintergrund lässt sich sagen, dass Deutschlands Bemühen, die Beziehungen durch strategische Unterstützung der Türkei zu stärken, darauf zielt, Russlands Einfluss in der Region zu begrenzen und die Türkei zu einer größeren Nähe zur NATO zu bewegen.
- Deutschlands Hinwendung zu strategischer Flexibilität im Verhältnis zur Türkei:
Deutschland scheint an seinen früheren Bedenken gegenüber der Türkei festzuhalten, ihnen aber unter den gegenwärtigen Umständen mit strategischer Flexibilität zu begegnen. Deutschland könnte solchen Rüstungsverkäufen grünes Licht gegeben haben, damit die Türkei im Nahen Osten und im östlichen Mittelmeer eine ausgleichende Rolle spielen kann. Für Deutschland dürfte der Verbleib der Türkei im westlichen Bündnis zu einer wichtigeren Sicherheitsfrage geworden sein als ihr Abdriften zum östlichen Markt.
- Wirtschaftliche und geostrategische Zwänge:
Dass Deutschland wirtschaftlich und strategisch von einem großen Markt wie der Türkei profitieren will, lässt sich auch mit der wirtschaftlichen Krise des Landes in Verbindung bringen. Deutschland sah sich in den letzten Jahren mit ernsten wirtschaftlichen Problemen wie schwankenden Energiepreisen und nachlassendem Wachstum konfrontiert. Das hat den Bedarf, die Rüstungsexporte zu steigern und die Wirtschaft durch strategische Partnerschaften zu stützen, deutlicher gemacht.
Die Geschäftsmöglichkeiten, die sich aus militärischer und technologischer Zusammenarbeit mit der Türkei ergeben könnten, lassen sich als Chance für die deutsche Wirtschaft sehen. Durch den Ausbau seiner Rüstungsindustrie könnte Deutschland sowohl Arbeitsplätze schaffen als auch seine langfristigen wirtschaftlichen Interessen auf dem türkischen Markt sichern wollen. Solche Rüstungspartnerschaften könnten Deutschlands Stellung im NATO-Bündnis festigen und zugleich seinen wirtschaftlichen Erholungsbemühungen Schwung verleihen.
Fazit
Dass Deutschland dem Verkauf von Eurofightern an die Türkei zugestimmt hat, bedeutet nicht, dass es seine früheren Bedenken vollständig hinter sich gelassen hat.
Die Entscheidung zeigt, dass Deutschland im Einklang mit seinen strategischen Interessen einen pragmatischeren Ansatz gewählt hat, der die geopolitische Rolle der Türkei berücksichtigt.
Dieser Schritt zeigt, dass in Deutschlands Außenpolitik Flexibilität und strategische Interessen im Vordergrund stehen und es seine Politik an geopolitische Bedingungen anpasst.
Quellen
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