Uğur Mumcu wurde 1993 durch ein Bombenattentat getötet, und der Fall ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Der zweite Teil der Ülkücü-Reihe behandelt das Attentat auf Mumcu und die Vorwürfe um Turgut Özal.
Uğur Mumcu, einer der bedeutendsten Journalisten der jüngeren Geschichte der Türkei, fiel am 24. Januar 1993, während er daran arbeitete, die schmutzigen Beziehungen zwischen dem tiefen Staat und der PKK aufzudecken, einem rätselhaften Attentat zum Opfer, das bis heute nicht aufgeklärt ist. Obwohl seither 28 Jahre vergangen sind, gibt es noch immer keine konkreten Erkenntnisse zur Aufklärung der Tat. Einige Auftragsmörder wurden zwar gefasst, doch viele „Verdächtige“ kamen nach kurzen Prozessen frei.
Das Attentat auf Uğur Mumcu und Abdullah Argun Çetin
Abdullah Argun Çetin, der die konkretesten Angaben zur Tat machte und, vom damaligen parlamentarischen Untersuchungsausschuss angehört, in seiner Aussage gestand, die Personen, die die Bombe in Uğur Mumcus Auto platzierten, im Umgang mit Sprengstoff ausgebildet zu haben, wurde mit der Behauptung, er habe die Öffentlichkeit belogen, aus dem Blickfeld gedrängt.
Abdullah Argun Çetin, der einräumte, aus der Ülkücü-Bewegung zu stammen und Mitglied der Türkischen Rachebrigade (TİT) zu sein, erklärte, er habe mit Abdullah Çatlı zusammengearbeitet und dem für das Mumcu-Attentat gebildeten Team angehört. Er gab an, zwei Wochen vor der Tat mit einem vierköpfigen Team die Straße ausgekundschaftet zu haben, in der sich später die Explosion ereignete, und danach im aserbaidschanischen Gəncə die Personen, die später den Anschlag verübten, an demselben Renault-Modell, das Uğur Mumcu fuhr, eigens ausgebildet zu haben. Über Abdullah Argun Çetin und seine Schilderungen wurde so viel Zweifel gestreut, dass der damalige CHP-Abgeordnete für İçel, Fikri Sağlar, der seine Anhörung im Parlamentsausschuss ermöglicht hatte, der Inkompetenz bezichtigt wurde.
Fikri Sağlar sollte 1998 in einem Interview über Abdullah Argun Çetin und seine Aussagen, die nach der parlamentarischen Untersuchung auf rätselhafte Weise von der Tagesordnung verschwunden waren, Folgendes sagen:
„…In unseren Ausschuss kam eine Person namens Abdullah Argun Çetin. Diese Person machte sehr wichtige Angaben zum Mord an Uğur Mumcu. Er erzählte, er sei ein Ülkücü, der in Aserbaidschan unter dem Kommando von Abdullah Çatlı arbeite. Eines Tages habe man ihn gebeten, einigen Leuten eine Bombenausbildung zu geben, und gesagt, man werde diese Bombe in ein Auto legen; er sei sogar für einen Tag in die Türkei gekommen, damit man ihm zeige, um welches Auto es sich handle… Diese Straße sei die Straße von Uğur Mumcu gewesen, man habe ihm Uğur Mumcus Auto gezeigt. Doch aus irgendeinem Grund hinderte Yaşar Topçu (ANAP-Abgeordneter für Sinop) ihn daran, weiter auszusagen, und warf ihn schreiend aus dem Ausschuss. Mit den Worten, er lüge…
– Was wurde aus dieser Person?
– Sie verschwand später.
– Wie verschwand sie?
– Weg… Nicht auffindbar!“
Abdullah Argun Çetin, von dem Fikri Sağlar sagte „Weg… Nicht auffindbar!“, sollte später vor dem Staatssicherheitsgericht angeklagt werden, vor Gericht auf rätselhafte Weise alle Aussagen, die er vor dem Parlamentsausschuss gemacht hatte, widerrufen und 2017 freigelassen werden.
Das Attentat auf Turgut Özal
Wieder ein nicht aufgeklärtes Attentat… Bei diesem, dessen Ziel der damalige Ministerpräsident Turgut Özal war, spielt erneut ein Ülkücü die Hauptrolle. Der Attentäter Kartal Demirağ gibt an, auch an den von Alparslan Türkeş gegründeten Kommandolagern teilgenommen zu haben, in denen Ülkücüs in vielen Bereichen, auch an der Waffe, ausgebildet wurden.
Kartal Demirağ, der nach dem Anschlag auf dem ANAP-Kongress in Ankara, wo Mehmet Ağar Polizeichef war, vor Gericht stand, wurde zunächst zu 20 Jahren Haft verurteilt und kam 1992 auf Bewährung frei, nachdem Turgut Özal Staatspräsident geworden war und ihn begnadigt hatte.
Ülkücü-Auftragsmörder, das von ihnen geschaffene Klima des Terrors, Ministerpräsidenten, auf die Attentate verübt wurden, Ermittlungen, die diese Ministerpräsidenten nie abschließen konnten… Hinter den Kulissen der Ereignisse, die die Türkei zum 12. September und danach in viele weitere Phasen des Chaos führten, werden die Namen von Mehmet Ağar und Korkut Eken, die offiziell im Staatsapparat tätig waren, seltsamerweise immer wieder zusammen mit „für den Staat arbeitenden“ Namen wie Abdullah Çatlı, Mehmet Ali Ağca, Haluk Kırcı und Oral Çelik genannt. Und das eigentlich Merkwürdige: Obwohl ihre Beziehungen zum Staat seit Jahren zur Sprache gebracht werden, gehen die Justizbehörden nie gegen sie vor.
„Aus einem Ülkücü wird kein Terrorist!“
Alle Ereignisse einzeln aufzuzählen, die die Ülkücüs, die bis vor Kurzem von den türkischen Nachrichtendiensten auch als „bedenkliche Struktur“ eingestuft wurden, angestiftet oder bei denen sie selbst abgedrückt haben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. (Die Einstufung „bedenklich“ wurde unter der AKP-Regierung aufgehoben.) Wir beschränken uns darauf, in einer historischen Perspektive von der Vergangenheit bis heute darzulegen, wie sie ihre rechtswidrigen Taten in dem von ihnen gezeichneten Porträt des „Staates“ verorten und wie sie diese deuten.
Der von Mehmet Ali Ağca verübte Mord an Abdi İpekçi, der Mord an Kutlu Adalı, bei dem in Vorwürfen die Namen Mehmet Ağar und Korkut Eken fielen, dessen Täter aber durch kein Urteil festgestellt werden konnten, und die Ermordung Hrant Dinks durch Ogün Samast sind nur einige der großenteils noch immer in Nebel gehüllten blutigen Operationen mit Ülkücü-Motiv, und die Liste wird immer länger. Jedes hier genannte Ereignis und die Ülkücü-Reflexe der Täter liefern wichtige Hinweise darauf, warum die Ülkücüs weltweit beschuldigt werden, eine „Terrororganisation“ zu sein. Ich bitte auch unsere Bürger und Leser, die der Ülkücü-Sache verbunden sind und die MHP als politische Bewegung unterstützen, dies in ihrem eigenen Gewissen abzuwägen.
MHP-Chef Devlet Bahçeli hatte junge Menschen zu Terroristen erklärt, weil sie den an ihre Universität berufenen Rektor kritisierten oder ihren Unmut über das Wohnheimproblem äußerten. Derselbe Bahçeli erklärte Kebabverkäufer zu Terroristen, mit der Behauptung, sie trügen Mitschuld an der Arbeitslosigkeit. Ich meine, all dies sollte zusammen mit der Erklärung betrachtet werden, die Herr Bahçeli kürzlich gegenüber den USA abgegeben hat.
Auch die folgende Erklärung stammt vom verehrten Parteichef. Ich gebe sie hier kommentarlos wieder: „Habt ihr so viel Angst vor der Existenz der Ülkücüs? Ich bin stolz, ein in den Ülkü Ocakları herangewachsener Parteichef zu sein. Käme ich noch tausendmal auf die Welt, ich ginge wieder zu den Ülkü Ocakları. Aus den Ülkü Ocakları gehen Vaterlandsliebende hervor, Tapfere, echte Männer. Aus den Ülkü Ocakları geht kein einziger Terrorist hervor. …“
Von denen, die in Dollar investieren, bis zu denen, die beim Referendum mit Nein stimmten, von Studierenden bis zu Kebabverkäufern werden Dutzende Menschen und Gruppen beschuldigt, Terroristen zu sein. Auf die Ülkücüs, die selbst Dutzende Attentate und unzählige Morde begangen haben, lässt man nichts kommen. So steht es in unserem Land.
In unserem nächsten Artikel werden wir uns ansehen, warum die Ülkücüs in Europa und den USA als Bedrohung gelten.
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