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Wer hat Facebook gehackt?

Im Oktober 2021 waren Facebook, WhatsApp und Instagram fast sechs Stunden lang nicht erreichbar. Da der Ausfall auf denselben Tag fiel wie die Enthüllungen der früheren Mitarbeiterin Frances Haugen, kam die Frage nach einem „Hack“ auf.

Die Zugriffsstörung, die gestern Abend um 18:40 Uhr türkischer Zeit beim Social-Media-Riesen Facebook und dessen Plattformen WhatsApp und Instagram begann, normalisierte sich nach fast sechsstündigen Bemühungen gegen Mitternacht teilweise.

Nachdem die frühere Mitarbeiterin Frances Haugen Facebook am Sonntag vorgeworfen hatte, Hassrede und Falschmeldungen nicht einzudämmen, sondern der Verweildauer der Nutzer und der Gewinnmaximierung Vorrang zu geben, lenkte die Störung gestern Abend die Aufmerksamkeit auf Facebook-Eigentümer Mark Zuckerberg.

Während vom CEO des Social-Media-Riesen noch keine Stellungnahme vorliegt, könnte der Ausfall Sicherheitsexperten zufolge auf eine interne Störung zurückgehen; theoretisch sei aber auch eine Sabotage von innen möglich. Ein Eingriff von außen oder ein vollständiges Hacken des Systems gilt als weniger wahrscheinlich. Ein gewaltiger DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service), der eine der beliebtesten Websites der Welt lahmlegen könnte, würde vermutlich eine ernsthafte Koordination vieler Hackergruppen oder eine ganz neue, unerprobte Technik erfordern, auch „Zero-Day-Angriff“ genannt.

Die anfangs offensichtlichste Ursache der Störung war, dass der DNS-Dienst (Domain Name System) nicht antwortete. DNS übersetzt die Adressen, die Nutzer in ihren Webbrowser eingeben, in IP-Adressen (Internetprotokoll) und ermöglicht so den Aufruf der gewünschten Seite.

Die Aktie von Facebook, das täglich im Schnitt 2 Milliarden aktive Nutzer hat, war nach dem am Wochenende ausgestrahlten Interview mit einem Minus von 5,3 Prozent in den Montag gestartet; mit dieser Entwicklung am Abend erlebt das Unternehmen seinen schlechtesten Tag seit einem Jahr.

30 Minuten nach Beginn der Zugriffsprobleme am Abend hieß es in einer Erklärung von Facebook: „Wir arbeiten daran, alles so schnell wie möglich wieder zu normalisieren, und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“

Einigen Facebook-Mitarbeitern zufolge, die mit Reuters sprachen, erschwerte und verzögerte es die Lösung zusätzlich, dass auch die Systemwerkzeuge (Tools), mit denen die Probleme behoben werden sollten, nicht erreichbar waren.

Facebook, das bereits im März und Juli dieses Jahres ähnliche Zugriffsprobleme hatte, verlor nach Schätzungen des Standard Media Index während der seit gestern Abend andauernden Störung allein an digitalen Werbeeinnahmen 545.000 Dollar pro Stunde.

Facebooks Zugriffsproblem weckt erneut Sorgen um die Cybersicherheit

Auch wenn noch keine gesicherten Informationen darüber vorliegen, ob die Störung bei Facebook und anderen Social-Media-Plattformen ein Cyberangriff war, hat sie die Bedeutung der Cybersicherheit erneut auf die Tagesordnung gebracht.

Einem Bericht des Weltwirtschaftsforums zufolge birgt es ein hohes Risiko von Cyberangriffen, dass industrielle Sicherheitspartner nicht ausreichend in Cybersicherheitstechnologien investieren und in industrielle IoT-Systeme (Internet der Dinge) investieren, ohne angemessene Schutzmaßnahmen zu treffen. 

Mit der durch die Pandemie beschleunigten Digitalisierung stiegen alle Cyberverbrechen im Internet wie Datendiebstahl, Unterschlagung und Datenvernichtung um 600 Prozent, und nach Analysen des FBI scheint sich dieser Trend fortzusetzen.

So gelangten 2017 durch Datenlecks im Internet 197 Millionen Datensätze in die Hände von Hackern, 2020 waren es 37 Milliarden. Nach Angaben des IT-Unternehmens IBM stiegen die durchschnittlichen Kosten solcher Datenlecks für Unternehmen in den Vereinigten Staaten von 7,91 Millionen Dollar im Jahr 2018 auf 8,64 Millionen Dollar im Jahr 2020.

Nach Angaben des deutschen Digitalverbands Bitkom wurden 2020-2021 neun von zehn Unternehmen in Deutschland Opfer von Cyberangriffen. Der Gesamtschaden dieser Angriffe wird auf rund 223 Milliarden Euro geschätzt. Bitkom zufolge ist der Schaden, der der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr durch Datendiebstahl, Spionagesoftware und Sabotage im Internet entstand, mehr als doppelt so hoch wie die 103 Milliarden Euro, die 2018 und 2019 verzeichnet wurden. Die Studie zeigte zudem, dass die Unternehmen ihre Investitionen in sichere Informationstechnologien gegen Cyberangriffe erhöht haben. 39 Prozent der Unternehmen geben überdurchschnittlich viel aus, 24 Prozent investieren erhebliche Summen in Cybersicherheitsmaßnahmen.

Man könnte die Beispiele vermehren, doch insgesamt scheint es, dass der Bedarf an Cybersicherheit in der kommenden Zeit mit wachsender Bedeutung auf unserer Agenda bleiben wird. Zu bedenken ist auch, dass ernsthafte Vereinbarungen gegen Cyberbedrohungen nicht nur auf nationaler, sondern auch auf globaler Ebene inzwischen unerlässlich sind und dass die politischen Entscheidungsträger der Welt dieses Feld ernster nehmen müssen.

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