StartCyber und DigitalesCyber-Bedrohungsakteure und die Verluste, die sie verursachen

Cyber-Bedrohungsakteure und die Verluste, die sie verursachen

Von denen, die zum Spaß angreifen, bis zu staatlich unterstützten Gruppen: Wir haben Cyber-Bedrohungsakteure nach ihren Motiven und Bedrohungsstufen geordnet.

Ordnet man die Cyber-Bedrohungsakteure, die jeweils über eine andere Denkweise, andere finanzielle Mittel und ein anderes Organisationsnetz verfügen, samt ihren Motiven von der niedrigsten bis zur höchsten Bedrohungsstufe, ergibt sich folgende Einteilung:

Nervenkitzel-Suchende (Thrill Seekers/Script Kiddies) – Die Bedrohungsakteure dieser Gruppe sind meist Menschen, die eher zum Spaß als aus Gewinnstreben kleine Cyberangriffe verüben. Dazu zählen vor allem Menschen, die mit Informationen aus leicht zugänglichen Internetforen in die Computersysteme anderer einzudringen versuchen und Freude daran haben. Diese Gruppe, die auch der Wunsch nach Berühmtheit antreiben kann, will mitunter auf sich aufmerksam machen, indem sie Sicherheitslücken von Organisationen aufspürt und meldet.

Innentäter (Insider Threats) – Das sind Menschen, die in ihren Institutionen Spannungen mit der Leitung hatten oder haben und Zugriff auf das Netzwerk oder kritische Informationen der Institution besitzen. Diese Personen, die zum eigenen Vorteil möglicherweise auch als Mittler für Akteure außerhalb der Institution fungieren, werden als interne Cyber-Bedrohungsakteure bezeichnet.

2015 verließ einer der leitenden Ingenieure von Waymo, dem Projekt für selbstfahrende Autos von Google, das Unternehmen, um sein eigenes Start-up für selbstfahrende Fahrzeuge, Otto, zu gründen. Vor seinem Weggang hatte er jedoch 14.000 Dateien mit verschiedenen Geschäftsgeheimnissen, darunter Diagramme und Zeichnungen zu Simulationen, Radartechnik, Quellcode, als vertraulich gekennzeichnete PDFs und Videos von Testfahrten, direkt von Googles Servern auf seinen Laptop heruntergeladen. Die Google-Führung bemerkte den Verstoß, nachdem Otto einige Monate später von Uber gekauft worden war. Infolge dieses von einem ehemaligen Google-Mitarbeiter verursachten Vorfalls erhielt Waymo Uber-Aktien im Wert von 245 Millionen Dollar, und der ehemalige Mitarbeiter bekannte sich schuldig.

Hacktivisten – Zu dieser Gruppe gehören Bedrohungsakteure, die aus ideologischen Motiven Cyberangriffe zu Propagandazwecken verüben. Der Begriff ist aus den Wörtern Hacker und Aktivist zusammengesetzt. Hacktivisten sind die Gruppe, zu der Menschen zählen, die Cyberangriffe verüben, um durch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit Ideologien bekannt zu machen, die sie für richtig und nützlich halten.

Aaron Swartz, bekannt für seinen Einsatz für die Freiheit des Zugangs zu Informationen und den offenen Zugang sowie gegen Zensur, war ein amerikanischer Programmierer, Informatiker, Autor und Aktivist. Swartz lud 2008 rund 20 Millionen Seiten an Dokumenten aus der gegen Gebühr zugänglichen Datenbank der US-Bundesgerichte und 2011 fast 4 Millionen Artikel aus dem Online-Archiv für wissenschaftliche Zeitschriften JSTOR (Journal Storage) auf seinen Computer herunter und machte sie öffentlich zugänglich; deshalb wurde er in 13 Punkten wegen „Datenpiraterie“ und „illegalen Herunterladens“ angeklagt. Swartz, einer der Gründer der weltweit führenden Social-Sharing-Plattform Reddit, nahm sich im Januar 2013 in seiner Wohnung das Leben, während das Verfahren, in dem ihm 35 Jahre Haft und 1 Million Dollar Geldstrafe drohten, noch lief.

Cyberkriminelle (Cybercriminals) – Zu dieser Gruppe zählen wir allgemein diejenigen, die Cyberangriffe aus finanziellen Motiven verüben. Solche Angriffe bestehen heute meist darin, dass als Ransomware bezeichnete Erpressungssoftware über Social Engineering und Phishing oder über Fernzugriff ins Zielnetzwerk eingeschleust wird, anschließend alle Systeme und Dateien verschlüsselt werden und das Ganze mit einer Lösegeldforderung der Angreifer endet; sie können sehr hohe finanzielle Verluste verursachen.

Beispiele für Cyberangriffe mit finanziellen Zielen

  • Der 1999 von dem amerikanischen Programmierer David Lee Smith entwickelte Melissa-Virus, der sich per E-Mail verbreitete und Computersysteme überlastete, unterbrach den Zugang zu den Netzwerken zahlreicher Firmen, darunter Microsoft. Melissa hinterließ einen Schaden von 80 Millionen Dollar. Der Urheber des Virus, David Lee Smith, wurde zu 20 Monaten Haft und 5.000 Dollar Geldstrafe verurteilt.
  • 2015 wurde ein Cyberangriff auf ein Stromverteilnetz in der ukrainischen Region Iwano-Frankiwsk verübt. Die Menschen in dieser Region mit rund 225.000 Einwohnern waren stundenlang ohne Strom. Die Energieversorger gaben an, der Angriff sei mit dem Virus BlackEnergy erfolgt.
  • 18 Jahre nach dem Melissa-Virus lösten Windows-Systeme, diesmal Ziel des Ransomware-Angriffs WannaCry, 2017 eine große Krise aus, als der Zugang auf rund 200.000 Computern in mehr als 150 Ländern zum Erliegen kam. Die weltweiten Kosten des Angriffs beliefen sich insgesamt auf 100 Millionen Dollar, hieß es.
  • Einer der größten Passwortdiebstähle in der Geschichte der Cyberangriffe ereignete sich in den vergangenen Monaten. In einem Hackerforum wurde eine 100 GB große TXT-Datei mit 8,4 Milliarden gestohlenen Passwörtern geteilt, die im Klartext gespeichert und 6 bis 20 Zeichen lang waren. Das Ganze erhielt den Namen „RockYou2021“. Bereits 2009 war die Seite RockYou gehackt und die Daten von mehr als 32 Millionen Menschen erbeutet worden.
  • Im Jahr 2000 legte der damals 15-jährige Michael Calce alias Mafiaboy mit gleichzeitigen DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service) auf Yahoo!, Fifa.com, Amazon.com, Dell, Inc., E*TRADE, eBay und CNN den Internetverkehr regelrecht lahm. Nach diesem Angriff, dessen Gesamtschaden auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt wurde, wurde Michael Calce festgenommen und wegen seines Alters zu acht Monaten Bewährungsaufsicht verurteilt; außerdem wurde ihm die Nutzung des Internets verboten.

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