Vom „Barbaren“ des antiken Griechenland bis zur heutigen Migrantenfeindlichkeit: Woraus speist sich die Angst vor Fremden und der Hass auf sie, und wie verflechten sie sich mit Nationalismus und Rassismus?
Xenophobie bedeutet Angst vor Fremden oder Hass auf Fremde. Das Wort setzt sich aus dem griechischen xenos, fremd, und phobos, Angst, zusammen. So nennt man es, wenn ein Mensch Fremde oder Menschen, die in irgendeiner Weise anders sind als er, fürchtet und hasst. Es ist eine Angst, die aus der Vorstellung entsteht, dass das Andere gefährlich sei.
Blickt man auf die historischen Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit, ist die Art, wie das antike Griechenland Fremde als „Barbaren“ bezeichnete und herabsetzte, ein wichtiges Beispiel. Das kam in der Geschichte häufig vor, und auch heute begegnen uns ähnliche Formen der Fremdenfeindlichkeit. Im antiken Griechenland etwa wurde das Wort „Barbar“ allgemein für Menschen verwendet, die kein Griechisch sprachen, und es wurde mit der Zeit zum Zeichen für den Glauben an die Überlegenheit einer bestimmten Kultur oder Gruppe.
Die tiefen Wurzeln dieser ängstlichen Gemütslage lassen sich auch im Roman Warten auf die Barbaren des südafrikanischen Schriftstellers J. M. Coetzee beobachten. Coetzees Werk zeigt, wie sich historische Beispiele in der modernen Welt spiegeln. Auch heute halten Faktoren wie verbreitete Vorurteile gegenüber anderen Kulturen und ethnischen Gruppen und Medien, die sie anheizen, Xenophobie und Fremdenfeindlichkeit am Leben.
Bekanntlich gibt es viele Gründe für Hass auf Fremde und Migranten. Sie können auf wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren beruhen:
- Verbreitete Vorurteile gegenüber anderen Kulturen und ethnischen Gruppen,
- Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die Migration mit sich bringt,
- Wachsende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt,
- Die Verunsicherung durch andere Lebensweisen,
- Medien, die aus Unwissenheit oder bewusst Hass verbreiten,
- Inakzeptable Haltungen und negatives Verhalten der Fremden selbst.
Wir sehen, dass viele Studien durchgeführt wurden, um Ursachen und Folgen negativer Einstellungen gegenüber Fremden zu erforschen und zu verstehen. Eine Studie zur Xenophobie unter Jugendlichen zwischen 15 und 32 Jahren in der Türkei betont, dass Menschen mit geringerem Einkommen xenophober sind. Interessanterweise steigt das Ausmaß der Xenophobie andererseits mit dem Bildungsniveau.
Zwei Feststellungen, die ich in einem Artikel über das Problem der Xenophobie gelesen habe und für sehr wichtig halte, möchte ich hier teilen:
- Fremdenfeindlichkeit ist eine Form des Vorurteils in Einstellung, Gefühl und Verhalten und im Unterschied zu anderen Vorurteilen ein vielschichtiges Phänomen mit vielen Ursachen. Sie ist auf komplexe Weise auch mit den Begriffen Nationalismus und Ethnozentrismus verbunden. Beide sind durch den Glauben an die Überlegenheit des eigenen Nationalstaats gegenüber anderen gekennzeichnet.
- Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind eng miteinander verbundene Formen der Unterdrückung, die sich gegenseitig stützen. Zweifellos wirken sie aufeinander ein und verstärken sich wechselseitig. Rassismus bedeutet aber nicht immer Fremdenfeindlichkeit. Und Fremdenfeindlichkeit schließt auch nicht immer rassistische Haltungen ein.
Fremdenfeindlichkeit kann natürlich viele Ursachen haben. Sie zu kennen, hilft uns, die Wurzeln von Vorurteilen zu verstehen und Lösungen zu finden.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass 2023 an der Spitze der Länder, die weltweit die meisten Geflüchteten aufnahmen, Iran, die Türkei und Deutschland standen.
In Deutschland wie in der Türkei nehmen die Reaktionen gegen Fremde zu. Schon die bloße Tatsache, dass beide eine sehr hohe Zahl schutzbedürftiger Menschen aufnehmen, können wir derzeit als einen Grund sehen, der dies anheizt.
Empathie
An dieser Stelle möchte ich eine persönliche Erfahrung teilen.
In der Gesellschaft, in der ich lebe, bin ich solchen Menschen und so negativen Beispielen begegnet, dass ich nach allem, was ich gesehen und selbst gehört hatte, dachte, ich könne den Hass auf Fremde nicht besser verstehen.
Bei lokalen Hilfsaktionen, an denen ich ehrenamtlich mitwirkte, hörte ich wahre Geschichten von sehr jungen Menschen. Ich lernte alte Männer mit ergrautem Haar und Bart kennen, die versuchten, wieder Fuß im Leben zu fassen. Ich hörte so viele Geschichten, dass ich begriff, dass es Gründe geben kann, die Menschen zu einem bestimmten Verhalten treiben, und wie wenig ich mich bemüht hatte, Menschen zu verstehen und sie in ihrer Lage anzunehmen.
Einmal zum Beispiel hörte ich die Geschichte eines jungen Afghanen, der in seinem ganzen Leben nur wenige Jahre eine Schule besucht hatte und als Kind aus seinem Land geflohen war. Er erzählte von seinem Weg über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Ich hörte, wie er in der Türkei für einen Hungerlohn und ohne Versicherung beinahe Fronarbeit leisten musste, und von den Jahren, die er in griechischen Flüchtlingslagern verbrachte. Doch in den Augen mancher war er bloß „ein fauler Flüchtling, der von ihren Steuern lebt“.
Wenn der Hass auf Fremde von ihnen selbst ausgeht
- Unsere schlechten Erfahrungen,
- Unsere Vorurteile,
- Manche sonnenklaren Tatsachen,
- Statistiken,
- Negative Beispiele
- Oder unser Egoismus …
Leider neigen wir alle ab einem bestimmten Punkt dazu, zu verallgemeinern.
Dabei sollte eine ungerechte Handlung oder eine Straftat unabhängig von der ethnischen Herkunft oder der Herkunft eines Menschen beurteilt werden.
Auch das übersehe ich nicht: Vielleicht kann die Herkunft eines Menschen helfen oder es erleichtern, ein Problem an der Wurzel zu lösen. Die Gründe für die hohe Kriminalitätsrate junger, alleinstehender männlicher Migranten und Geflüchteter aus Afrika und Syrien etwa können Kriminologen, Sozialwissenschaftler, Akademiker und Politiker im Hinblick auf Gegenmaßnahmen beschäftigen. Aber anhand solcher negativer Beispiele verallgemeinernde und hassschürende Berichte über alle Migranten und Geflüchteten zu verbreiten oder Migranten mit populistischen Parolen zum Material billiger Politik zu machen, ist schlicht unbarmherzig.
Abgesehen davon muss jemand, der Müll auf die Straße wirft, schwarzarbeitet oder die Menschen im selben Haus nicht respektiert, kein Ausländer sein, um den Hass seiner Umgebung auf sich zu ziehen. Leider ist es, wie ein Einstein zugeschriebener Ausspruch sagt, schwerer, die Vorurteile zu zertrümmern, die sich an solchen negativen Beispielen bilden, als ein Atom zu spalten.
Deshalb sollten Fremde, während sie die Gründe für die negativen Blicke auf sich zu verstehen versuchen, auch selbst etwas dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.
(Negative) Diskriminierung
Im Allgemeinen ist die Diskriminierung, die Fremde durch herabwürdigende Worte und Handlungen oder durch Ungleichbehandlung erfahren, ein Hindernis für ihre gesellschaftliche Integration. Es ist wirklich schmerzhaft, von jemandem, der einen nicht kennt und sich nicht einmal eine Meinung über einen gebildet hat, unverdient unhöflich und unmenschlich behandelt zu werden.
Für negative Diskriminierung und Herabsetzung lassen sich viele Beispiele nennen:
- Bestimmte Aussagen und Handlungen: „Ausländer sind faul“, „Sie nehmen uns die Arbeit weg“, „Ausländer sind kriminell“,
- Die Herabsetzung des Sprechens der Muttersprache.
- Diskriminierung wegen Religion und Glauben (Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Feindseligkeit gegenüber Aleviten),
- Diskriminierung bei der Einstellung,
- Schwierigkeiten bei der Miete und beim Kauf von Wohnraum,
- Soziale Ausgrenzung,
- Diskriminierung ausländischer Schüler in der Schule usw.
Jeder Beitrag zum Kampf gegen Diskriminierung in der Gesellschaft ist von unschätzbarem Wert für eine Kultur des friedlichen Zusammenlebens.
Unsere Beitragsreihe über Migration setzen wir mit dem Thema Integration und zwei Beispielen fort, einem negativen und einem positiven.
Quellen
- J. M. Coetzee, Warten auf die Barbaren (1980)
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