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Software Defined Defence: Platform42

Tesla kann seinen Autos per Software-Update neue Scheinwerferfunktionen verleihen. Nach derselben Logik geht die Bundeswehr zur „Software Defined Defence“ über; Platform42 ist der Beschleuniger dieses Wandels.

Die Digitalisierung ist ein sich rasch entwickelnder Trend in der Verteidigungsindustrie. Die Vorteile von Software, insbesondere die Möglichkeit schneller Aktualisierungen aus der Ferne, machen die Digitalisierung praktikabler.

Informations- und Führungsüberlegenheit

Ein Wendepunkt der Sicherheitspolitik kam mit dem Russland-Ukraine-Krieg. Er führte gerade bei der Digitalisierung zu entscheidenden Veränderungen für die Bundeswehr. Heute brauchen Armeen wie früher Informations- und Führungsüberlegenheit, um schnell und stark zu sein. Möglich ist das aber nur noch, wenn moderne Technologien in die Verteidigung integriert werden. Moderne Kommunikationstechnik, künstliche Intelligenz und Cloud-Computing spielen dabei Schlüsselrollen. Bedrohungen kommen zudem nicht nur zu Land, in der Luft und auf See, sondern auch aus virtuellen Räumen wie bei Cyberangriffen.[1]

Um Cyberangriffen zu begegnen und mit sich schnell entwickelnden Bedrohungen Schritt zu halten, müssen wir mehr Daten beherrschen und so bei leistungsfähiger Software und vor allem bei künstlicher Intelligenz vorankommen. Heute ist IT-basierte Arbeit in vielen Bereichen verbreitet, auch bei Waffensystemen.

Die Digitalisierung der Bundeswehr

Die Streitkräfte entwickelter Länder nutzen verschiedene Plattformen, um die Digitalisierung schnell und standardkonform umzusetzen. In diesem Zusammenhang hat die BWI GmbH, der führende Digitalisierungspartner der Bundeswehr, kürzlich die Platform42 vorgestellt. Sie soll die Softwareentwicklung der Bundeswehr beschleunigen.[2]

Die Wirkung von Software

Software spielt heute eine entscheidende Rolle dafür, dass Armeen schnell und wirksam sind. Sie erleichtert die Aktualisierung technischer Plattformen und erhöht so die operative Flexibilität. Beispiele aus der Automobilbranche zeigen den Erfolg dieses Ansatzes: Tesla stattete geeignete, ab 2021 im Model 3 verbaute Scheinwerfer später allein per Software-Update mit einem adaptiven Fernlicht aus, das automatisch abblendet, sobald vor dem Fahrzeug Licht erkannt wird (etwa ein entgegenkommendes Auto).[3]

Wie Tesla setzt auch die Bundeswehr auf einen softwarezentrierten Ansatz und will das Konzept „Software Defined Defence“ (SDD)[4] umsetzen.[5] Im Kern geht es darum, bei der Entwicklung von Waffensystemen mehr auf Software als auf Hardware zu setzen.

Das Internet der militärischen Dinge

SDD ermöglicht einerseits eine schnellere und flexiblere Anpassung an die Anforderungen moderner Operationsführung und sorgt andererseits durch Vernetzung für eine bessere Kompatibilität der Systeme. Ein zentrales Element von SDD ist daher die Idee eines „Internet of Military Things“. So formulierte es BWI-Geschäftsführungsvorsitzender Frank Leidenberger kürzlich auf der Handelsblatt-Konferenz „Sicherheit & Verteidigung 2024“.[6] Ende Januar sprach er auf einem Podium mit Generalleutnant Michael Vetter, Leiter der Abteilung Cyber/Informationstechnik im Bundesministerium der Verteidigung, über das Konzept und seinen Nutzen für die Bundeswehr.

Schnellere Entwicklung durch Standards

Um vorhandene Softwaremodule streitkräfteweit besser zu nutzen, softwarebasierte Innovationen schneller einzuführen und Software künftig rascher zu entwickeln und anzupassen, entwickelt die BWI seit dem vergangenen Jahr die „Platform42“. Vorbild ist die Platform One (P1) des US-Verteidigungsministeriums.[7] Denn auch Fachleute in den US-Streitkräften sind sich über die wachsende Bedeutung von Software im Militär und ihren Einfluss auf die Art der Kriegsführung einig.

Plattformen

Standardisierte Plattformen verhindern für Behörden und Unternehmen die Verschwendung von Ressourcen und Zeit und ermöglichen es Softwareentwicklern, ihre Produkte schnell zu entwickeln. P1-Leiter Brian Viola sagt dazu:

„Heute haben Softwareentwickler mit einer Reihe komplexer Technologien zu tun, um Software in großem Maßstab sicher zu erstellen und zu betreiben. Platform Engineering vereinfacht den Zugang zu den benötigten Werkzeugen und zur Infrastruktur und erleichtert es, Software sicher und strukturiert zu entwickeln, zu testen, für die Bereitstellung vorzubereiten und zu betreiben“[8].

Platform42

Im vergangenen Jahr begann die BWI mit dem Aufbau der Platform42, die weit mehr als eine Entwicklungsumgebung ist. Platform42 ist ein Ökosystem, in dem ihre Entwickler mit Kunden aus der Bundeswehr und Partnern aus der Industrie zusammenarbeiten. Im Zentrum stehen Softwareentwicklungsteams, die für die Bundeswehr Aufgaben wie Design, Programmierung, Test, Coaching oder Systemadministration übernehmen.

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Ein Software-Engineering-Framework legt die Standards, Methoden und Best Practices fest, die bei der Entwicklung von Anwendungen für die Bundeswehr gelten. Standards schaffen Softwarekomponenten, die sich leicht für andere Produkte wiederverwenden lassen, ohne jedes Mal bei null anfangen zu müssen. Zudem stellen sie sicher, dass die Software kompatibel ist und die Anforderungen an die Interoperabilität zwischen der Bundeswehr und verbündeten Streitkräften anderer Nationen erfüllt. Die entwickelten Softwarekomponenten werden bewertet und in einer „Shared Production Base“ gesammelt, wo sie bei Bedarf auch für andere Produkte genutzt werden können.[9]

DevLabPro

Außerdem richtet die BWI derzeit in einem ihrer Rechenzentren das „DevLabPro“ ein. Diese speziell für das Software-Engineering ausgelegte Hardware soll eine Entwicklungsumgebung bilden, in der Entwickler nach den Standards von Bundeswehr und BWI cloudfähige Software für alle erforderlichen Betriebsplattformen programmieren können. Die Umgebung soll bis Ende 2024 bereitstehen.[10]

Fazit

Das Aufkommen der Platform42 zeigt, wie sich die Digitalisierung auf die Verteidigungsindustrie auswirkt. In einer Zeit wachsender Cyberbedrohungen könnte die schnelle und wirksame Softwareentwicklung, die diese Plattform der Bundeswehr ermöglicht, ein wichtiger Wendepunkt der Sicherheitspolitik sein. Indem sich die Bundeswehr mehr auf Software als auf Hardware konzentriert, wählt sie einen flexibleren und kompatibleren Ansatz für moderne Operationsführung. Das SDD-Konzept wird es den Streitkräften ermöglichen, wirksamer auf künftige Bedrohungen zu reagieren, und zusammen mit dem Internet der militärischen Dinge eine stärkere Verteidigungsfähigkeit schaffen. Indem die Platform42 die Softwareentwicklung beschleunigt und durch Standards wirksamer steuert, wird sie einen wichtigen Beitrag zu den Digitalisierungszielen der Bundeswehr leisten.

Quellen

  1. BWI – Schnellere Softwareentwicklung für die Bundeswehr: die „Platform42“ der BWI bwi.de
  2. Electrek – Tesla is upgrading Model 3 and Model Y headlights electrek.co
  3. t.co t.co
  4. BMVg – Experten fordern „Software Defined Defence“ bmvg.de
  5. BWI – Neue Chancen durch Software Defined Defence bwi.de
  6. Platform One (dso.mil) p1.dso.mil
  7. FedTech Magazine – How Platform One (P1) from the Air Force Supports DevSecOps fedtechmagazine.com
  8. Rolf Hager, „Software Defined Defence: Schnellere Softwareentwicklung für die Bundeswehr mit der Platform42“, Europäische Sicherheit & Technik, 3/2024, S. 51.

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